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2021
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GNÄGEL KREISLÄUFE.

Problematisch war auch der Weg zu Jens, denn Jesper weigerte sich kategorisch öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Es gab keine Sicherheit mehr und schon die Vorstellung, der grüne Giftzwerg könnte sich im Bus oder im Abteil eines Zuges neben ihn setzten, löste Schweißausbrüche bei Jesper aus. Tore mobilisierte seinen Freundeskreis, organisierte ein Auto und mit Hilfe der Bandmitglieder, gelang es ihm Jesper erst ins Auto und dann zu Jens zu verfrachten. Als sie auf dem kleinen Bauernhof ankamen, war Jens nicht anwesend, aber seine Mutter begrüßte Tore und ganz besonders Jesper, sehr warmherzig und bewirtete die beiden mit den Resten des Mittagessens und selbstgebackenem Kuchen in ihrer Küche. An den Kuchen erinnerte sich Tore immer noch gerne und daran, dass Jesper sich langsam etwas entspannte. Als Jens dann endlich zurück war und Tore und Jesper in der Küche seiner Mutter begrüßte, verschwand ein elektrisch sirrender Ton aus der Atmosphäre und irgendwie veränderte sich auch das Licht. Es wurde wärmer und weicher. Es war ein bisschen, wie ein zufälliges Treffen, das dann doch gar nicht zufällig war, aber seit sie auf dem Hof von Jens Mutter angekommen waren, war der grüne Gnom nicht mehr aufgetaucht. Am nächsten Vormittag begann die Konsultation, in deren Verlauf Jens den grünen Zwerg der Jesper belästigte, kennen lernen wollte. Frühstück hatte es nicht gegeben, am vorangegangenem Abend hatte Jens, Tore und Jesper darum gebeten, nüchtern und gründlich gewaschen in seinem Atelier zu erscheinen. Es roch nach Salbei, Hagebutten, Holunder, Thymian, verbrannten Haaren und nassem Laub, als sie das Atelier betraten und über der Feuerschale mit den Kräutern rieb Jens einen grünen Stein. Er war sehr konzentriert und bat Tore und Jesper Platz zu nehmen und zu schweigen. Der Rauch aus der Schale wurde immer dichter, Jens rieb seine Hände im Rauch, strich über seinen Kopf und seine Haare, dann rieb er seine Hände wieder im Rauch aus der Schale und wendete er sich Jesper zu, bat ihn aufzustehen und den Rauch aus der Schale einzuatmen. Danach wurde alles grün, die Luft fing an zu flirren und der unangenehm sirrende, elektrische Ton war wieder da. Tore begriff ganz schnell, dass es besser war in Deckung zu gehen und verzog sich hinter ein Sofa in Jens Atelier. Was er dann sah, war zumindest für ihn real, egal ob es seiner Phantasie oder dem Wirken irgendwelcher grüner Geister entsprang. Im Atelier war alles grün, Jesper lag völlig regungslos auf dem Boden und Jens atmete sehr konzentriert grünen Rauch ein und wieder aus. Er verstrich mit seinen Händen ganz zart den grünen Rauch über Jesper, er verschluckte den Rauch und transformierte ihn in Fragen an grüne Geister und die Geister antworteten. Nicht grün, aber heftig. Als der grüne Gnom sich dann materialisierte, war Tore heilfroh über sein schützendes Sofa.

Wer nur spielen will, hat schon verloren.

STERN REAKTOR

Über Masse, Macht und Manipulation gibt es ja schon allerhand tiefschürfende Betrachtungen und wie sich nun unter den Corona Einschränkungen zeigt, ist das Suchtpotential der Masse ganz besonders gefährlich. In einigen Teilen der Bevölkerung besteht anscheinend geradezu ein Zwang, sich massenhaft zu versammeln. Dieses Zwangsverhalten bietet dem Virus immer wieder die Chance sich zu vermehren und zu mutieren. Die Masse ist ein Ungeheuer und alles was massenhaft geschieht hat massive Auswirkungen. Nicht nur Regenmassen verursachen riesige Schäden, Massenevents erzeugen massenhaft Müll und wo die Masse drüber läuft wächst kein Gras mehr. Ganz zu schweigen von Massentierhaltung, Massenmord, Massenhysterie, Massenverkehr, Massentourismus und Massengesellschaften. So war es denn von der Meute zur Masse kein wirklicher Fortschritt.

Nach hause kam Jesper dann auch, aber wirklich besser wurde es nicht. Zwar verschwand der perfide grüne Gnom erst mal, aber die Tür zwischen den Welten stand offen und so kehrte der grüne Dämon immer wieder zurück und stellte mit seinen blöden Fragen alles in Frage. Medizinische oder psychologische Beratung lehnte Jesper ab, denn er wollte nicht wegen Wahnvorstellungen für verrückt erklärt werden, aber das grüne Männchen ließ ihn nicht in Ruhe. Jesper ging kaum noch raus, er war unfähig sein Studium weiter zu führen und selbst Musik machte ihm keinen Spaß mehr. Obwohl Tore den grünen Gnom nicht sehen oder hören konnte, begriff er, dass dieses Wesen für Jesper durchaus real war und wahrscheinlich nur mit anderen Mitteln, als denen der modernen Medizin oder Psychologie, dauerhaft in seine Dimension zurück geschickt werden konnte. Auf einem kleinem Festival an der Nordseeküste, hatte Tore vor ein paar Jahren einen Mann kennen gelernt, der von sich behauptete, ein Schamane zu sein und mit seinen langen Haaren, seinen Armbändern und Halsketten, sah er auch ein bisschen so aus. Tore fand das ziemlich exaltiert, aber der angebliche Schamane war belesen, schlagfertig, witzig und nett, er hatte Humor, ein Faible für Frauen, trank und rauchte und man konnte wunderbar mit ihm feiern. Als das Festival zu Ende war, lud der Schamane, Tore noch für ein paar Tage zu sich nach hause ein. Jens lebte ganz in der Nähe auf einen kleinen Bauernhof, der von seiner Mutter bewirtschaftet wurde. Sein Atelier war voll gestopft mit allen möglichen Trommeln, Flöten und älteren Saiteninstrumenten, was Tore gut gefiel. Besonders die alten Saiteninstrumente interessierten ihn und Jens konnte stundenlang über den spirituellen Kontext der Instrumente referieren. Auf dem Gelände des Bauernhof befand sich auch eine Schwitzhütte, die Jens nicht nur regelmäßig für sich, sondern auch zusammen mit den Besuchern seiner gut besuchten Kurse benutzte. Mit den getrockneten Kräutern, Pilzen, Baumrinden, Blättern und Wurzeln, konnte Tore nicht so viel anfangen, aber Jens war Experte auf diesem Gebiet und Tore erinnerte sich noch gut an Jens Vortrag über die mächtigen Stechapfelpflanzen, mächtig wie die Sterne. Tore beschloss Jens um Rat zu fragen. Er rief ihn an und erzählte Jens die Geschichte von dem Elfencocktail und dem grünen Gnom, der mit den Cocktail gekommen war und nicht mehr gehen wollte. Jens erklärte sich bereit zu helfen, aber dafür musste Jesper persönlich zu ihm kommen, Es war gar nicht so einfach Jesper zu überreden mitzukommen, denn aus Angst jederzeit von dem grünen Ungeheuer überfallen zu werden, blieb Jesper lieber zu hause. Erst als Tore ihm erklärte, dass wenn überhaupt jemand seinen Besucher aus der anderen Welt sehen könnte, dann wahrscheinlich ein Schamane, zu dessen Aufgaben es ja schließlich gehörte, die Grenzen zwischen den Welten zu überwinden. Er erinnerte sich so gut es ging an alles mögliche, was Jens ihm erzählt hatte, sprach von Schutztieren, von magischen Amuletten, von Heilsteinen und Ritualen, die Geister rufen oder vertreiben und obwohl er das alles sehr esoterisch fand und nicht unbedingt daran glaubte, redete Tore mit Engelszungen auf Jesper ein, damit er ihm glaubte.

Wer nicht zum Punkt kommt, verliert Punkte.

BUBEN UNGLÜCK.

Jespers Anfälle kamen im wahrsten Sinne des Wortes aus heiterem Himmel, überfielen ihn auch wenn er völlig nüchtern war und bis heute hatten seine Ärzte keine wirklich plausible Erklärung dafür gefunden. Sie reichten Jesper an die Spezialisten für die Psyche weiter, aber auch die fanden keinen richtigen Anhaltspunkt. Die Psychopharmaka, die ihm verschrieben wurden, nahm Jesper nicht, weil sie extrem schläfrig machten und er immer wieder mitten in Gesellschaft eingeschlafen war, was etwas irritierend wirkte. Seine hysterischen Lachanfälle wirkten jedoch ziemlich verstörend auf Außenstehende und führten manchmal bis zu akuter Atemnot. Wenn nichts mehr half, half nur noch eine kräftige Ohrfeige und in sofern hatten die Damen vom Brötchentresen alles richtig gemacht. Tore hatte seine eigne Theorie zu Jespers Anfällen und die erläuterte er uns am nächsten Nachmittag im Jenischpark. Immer noch angeschlagen, lagen wir im Schatten einer wunderschönen, alten Eiche auf der großen Wiese, die sich von der Elbchaussee hochzieht bis zur historischen Brücke über die Flottbek und hörten Tore zu, der uns von einem Fest erzählte, das ein bisschen anders gewesen war, denn zu den am Büfett angebotenen Getränken zählte auch eins, das ganz besonders war und sich Elfencocktail nannte. Der Elfencocktail sah aus wie ein Fruchtsaftmix, er wurde in Kelchgläsern mit kleinen Flügeln angeboten und enthielt einen Zusatz aus hochprozentigem Alkohol, in dem Stechapfelblätter eingelegt worden waren. Diese Beigabe wurde keineswegs verschwiegen, galt aber als völlig harmlos, da sie angeblich nur in marginaler Menge dem Elfencocktail hinzugefügt worden war. Tore verzichtete auf den Elfencocktail, denn er wusste wie unberechenbar die psychoaktiven Kräfte der Stechapfelpflanze zuschlagen können. Einer seiner besten Freunde hatte sich nach einem Stechapfelexperiment völlig aus der menschlichen Gesellschaft zurück gezogen und lebte in einer Erdhöhle. Er kommunizierte ausschließlich mit, für alle anderen unsichtbaren Erscheinungsformen und hatte seit Jahren kein Wort mehr gesprochen. So blieb Tore denn beim Bier und beim Kiff und fragte sich irgendwann, mit wem Jesper da eigentlich redete. Aber nicht nur Jesper redete mit nicht allgemein sichtbaren Personen, auch etliche andere Gäste der Party benahmen sich zunehmend merkwürdig. Immer häufiger wurden grüne Einhörner, sprechende Eichhörnchen, giftige, gelbe Schlangen und ein grüner Gnom erwähnt, der anscheinend nicht nur sehr dominant auftrat, sondern auch ziemlich bösartige Kommentare von sich gab. Das grüne Ungeheuer lachte ausdauernd und hämisch, sezierte Jespers Leben bis in den letzten Winkel und ließ nichts Gutes zurück. Als Jesper anfing auf dem Boden herum zu kriechen, wollte Tore den Notarzt rufen, aber außer Jesper krochen mittlerweile etliche andere Gäste der Party auf dem Boden herum. Der grüne Gnom war mächtig, um einen Eklat zu verhindern verzichteten die Gastgeber des Festes auf professionelle Hilfe und verließen sich darauf, dass alle Teilnehmer angemessen betreut nach hause kommen würden.

BRATEN HAUS

Der alte, dumme Spruch, dass wer nicht hören will, fühlen muss, findet im aktuellem Zeitgeschehen leider immer wieder Nährstoff. Was mich nährt, soll mich nicht töten, sondern weiter bringen und Nahrung ist sowieso kein Mittel zum Zweck, sondern eine elementare Selbstverständlichkeit. Ganz und gar in der Mitte liegt die Tomate, obwohl sie ein Nachtschattengewächs ist, das Sonne liebt. An der Sonne liegt es denn auch nicht und Schattenkrieger bleiben im Schatten, bis das Licht sich seinen Weg zur Sonne bahnt. So werden denn Äpfel mit Orangen sozialisiert und Birnen mit Speck und Bohnen. Trotz alledem bleibt die Frage nach der allgegenwärtigen Dummheit offen und Virenjäger stehen auf ähnlich verlorenem Posten wie Vampirjäger. Unaufhaltsam wälzt sich die Zeit von Gestern über Heute bis Morgen und immer weiter und nimmt keine Rücksicht, weil sie die Geschichte ist.

In der Luft waberten bläuliche Rauchschleier, es roch nach Alkohol, heißem Fett, geratenem Fleisch, Schweiß und Zigarettenqualm, der Laden war rappelvoll, es war unmöglich einen freien Tisch für die ganze Gruppe zu finden und so verteilten wir uns denn über mehrere Tische. Die Getränke kamen schnell und wer sich für belegte Brötchen entschieden hatte konnte sofort loslegen, wahre Profis, wie die Wandmaler fingen mit einem halben Brötchen an, um die Wartezeit zu überbrücken, aber alle anderen mussten den Wolf in ihrem Magen erst mal bändigen. Als die üppigen, auf die Bedürfnisse hart arbeitender Schlachter zugeschnittenen Portionen. dann endlich kamen, wurde mit Heißhunger darüber her gefallen, aber meistens war der Hunger schon gestillt, bevor die Teller halb leer waren. Das hatte den Vorteil, dass für die finanziell weniger gut gestellten Brötchenesser, die ihre halben Brötchen schon lange aufgegessen hatten, genug über blieb und die Bratkartoffelgebirge, die gewaltigen Scheiben vom geräuchertem Kasslernacken und Rinderbraten, das Gulasch, die Würstchen und die großzügig bemessene Soße meistens restlos verputz wurden. Danach wurde Schnaps bestellt. Diesen gewaltigen Anforderungen waren lange nicht alle Nachtschwärmer gewachsen. Im Gegensatz zu den Schlachtern, von denen nie ganz klar war, ob sie ihre Schicht schon beendet hatten, oder in Kürze wieder hinter den undurchsichtigen Vorhängen zum Vorhof der Hölle verschwinden würden, auf jeden Fall aber immer noch im Hier und Jetzt, verließen einige Nachtschwärmer ganz schnell das Hier und Jetzt und schliefen einfach ein. Das wurde nicht so gerne gesehen und wer nicht von seinen Freunden oder nächtlichen Bekanntschaften, zeitnah aus dem verrauchten Räumlichkeiten an die frische Luft geschleppt wurde, wurde ziemlich unsanft hinaus befördert. Gaby, die schon mit den Jungs von Torfrock, als Torfrock noch ganz und gar unbekannt war, etliche Nächte in „Erikas Eck“ beendet hatte, war völlig in ihrem Element. Sie hatte sich nicht überfressen, den Schnaps aber auch nicht abgelehnt und knutschte mittlerweile hemmungslos mit Hippie Stefan, was nicht beim gesamten Publikum wirklich gut ankam. Als eine der sozial kompetenten Damen vom Brötchentresen sie freundlich darum bat, ihr Liebesleben in etwas privatere Zonen zu verlegen, fing sie an rumzuzicken und setzte zu einem Vortrag über freie Liebe an, aber Hippie Stefan begriff den Ernst der Lage und manövrierte Gaby ganz schnell raus. Bevor wir uns wieder richtig entspannen konnten, fing Jesper, einer der dänischen Musiker an zu lachen und hörte nicht mehr auf. Niemand hatte den Anlass seines Heiterkeitsausbruches mitbekommen, aber Jesper lachte immer hysterischer und natürlich bezogen das einige, der sowieso schon etwas irritierten Gäste von „Erikas Eck“ auf sich. Als Jesper dann vor Lachen vom Stuhl fiel und sich, immer noch lachend auf dem Boden wälzte, hörte der Spaß auf. Bevor ein paar schwer berauschte und nicht minder schwer angemachte Gäste Jesper zur Rechenschaft ziehen konnten, mischten sich die Damen vom Brötchentresen wieder ein, verpassten Jesper ein paar beruhigende Ohrfeigen, hielten das Publikum im Schach und halfen Tore und Cauca dabei Jesper aus dem Laden zu schaffen.

Das Klima kann man nur verändern, aber nicht retten.

GULDEN BREMSE.

Das die Masse nicht klasse ist, wollen hierzulande ganz besonders junge Menschen nicht begreifen. Trotzdem bereits die erste Welle des Gegenangriffs ganz deutlich sagte, dass alles was massenhaft statt findet schädlich ist, bestehen sie auf ihre Massenevents. Völlig von der Hand gewiesen werden, muss deswegen die Aussage, dass dieser Generation etwas vorenthalten würde, was alle anderen Generationen vor ihr gehabt hätten. Das Gegenteil ist der Fall. Keine andere Generation war bisher so gut gefüttert, hoch gewachsen, medizinisch betreut, verwöhnt und bar jeder Verantwortung, wie die Partyheulsusen unserer Tage. Nun ist die Party vorbei und die Masse nicht nur entsetzlich Umwelt zerstörerisch, sondern auch gefährlich für die Verursacher der Zerstörung. Ihr wollt auf den Gräbern der toten Insekten, der verhungerten Eisbären und verödeten Korallenriffe tanzen und wundert euch über mangelndes Verständnis.

So blieb Gaby denn vernünftig, gesellte sich dem Club auf Peters Parzelle zu, kiffte ordentlich mit und verschwand ganz schnell wieder nach oben in die „Margarete“, damit HaHe keinen Verdacht schöpfen konnte. Als Gaby dann unübersehbar gut gelaunt am Tresen erschien, war HaHe sofort klar, dass sie im Hinterhofgarten geraucht hatte, aber er hielt die Klappe und sorgte damit für Gleichstand, dafür das er Gabys Hobby nicht thematisierte, thematisierte Gaby nicht HaHes Techtelmechtel mit Marianne. Blendend gelaunt unterhielt Gaby nicht nur die Mannschaft am Tresen, sondern gleich den gesamten Laden. HaHe, der langsam nach hause wollte überließ Gaby den Tresen, es waren ja immer noch ein paar männliche Vereinsmitglieder anwesend, die Gaby im Zweifelsfall beistehen konnten. Peter, der mittlerweile sein Limit erreicht hatte, mied für den Heimweg Vorsichtshalber die steile Treppe zum Keller hinunter, schwankte zur Eingangstür hinaus und in den Torweg hinein, schaffte es erfolgreich nicht in den Teich zu fallen, stolperte an Kachel Jörg und seiner neuen Flamme vorbei und fiel ins Bett. Angesichts der sich abzeichnenden Aufbruchstimmung, zog Johanna es ganz schnell vor, mit Balu und Ratz Fatz aus den Hinterhofgarten zu verschwinden, um nicht zu guter Letzt noch Johannes oder einem der Wandmaler über den Weg zu laufen. Oben am Tresen steuerte die Party ungeahnten Höhen zu. Die Musiker aus Dänemark, ebenfalls Fans gehobener Rauchwaren und aus ihrem Heimatland einen etwas anderen Umgang damit gewöhnt, ließen mittlerweile ein paar Zaubertüten kreisen und niemand sagte mehr nein. Selbst Buddhisten Stefan, dessen Droge eigentlich nur meditieren war, ließ sich hin reißen und rauchte mit. Irgendwann beschlossen alle Anwesenden außer Andre, dem schlecht geworden war und Buddhisten Stefan, dem es zum Bild seines Gurus zog, um Abbitte zu leisten, sich noch eine kleine Stärkung in „Erikas Eck“ zu gönnen. In der Stille des frühen Montagmorgen konzertierten etliche Vögel, die Straßen waren fast Menschen leer und auf der großen Brache zwischen der Kreuzung Weidenallee / Altonaer Straße / Schanzenstraße und der Kreuzung Altonaer Straße / Schulterblatt blühte ein Insekten überflutetes Meer wilder Blumen. Auf Höhe des Schanzenbahnhof verflüchtigte sich der morgendliche Frieden, immer mehr Lastwagen donnerten an uns vorbei und steuerten den Schlachthof an, in den Hauseingängen lehnten stämmige Gestalten mit Blut bespritzten, weißen Gummischürzen und Stiefeln und rauchten Zigaretten. Vor „Erikas Eck“ stand schon eine Schlange und wir stellten uns an. Dann begann das alte Spiel, Nachtschwärmer begaffen Schlachter und Schlachter begaffen Nachtschwärmer. Wie Paradiesvögel standen Tore und seine bunt gewandete Band, zwischen den übernächtigten Malochern, aber wirklich provokativ war Gaby, die schon immer ein Faible für sehr junge Männer hatte und ungeniert mit Hippie Stefan flirtete. Aufs Maul gefallen waren die Malocher nicht und Gaby fing sich ein paar ganz und gar nicht jugendfreie Kommentare ein, die sie glücklicherweise unbeantwortet ließ. Dann standen wir endlich vorm Tresen in „Erikas Eck“, bestellten etliche halbe Brötchen mit Schinken oder Lachs, Bratkartoffeln, Spiegeleier, Kassler, Schnitzel und Getränke dazu.

Wer seine Karten auf den Tisch legt, kann keine Häuser mehr davon bauen.

SPINN VÖGEL.

Zu den unangenehmsten Einsichten über die Ursachen der Klimakatastrophe, gehört die Erkenntnis, dass der weltumspannende Tourismus außerordentlich umweltschädlich ist, der ökologische Fußabdruck des internationalen Tourismus einfach nur Grauen erregend und in keiner Hinsicht zu rechtfertigen. Wie nun anders? Umdenken ist ein Kunststück, das selten gelingt, weswegen seltene Erden unbedingt in der Erde bleiben sollten. Erdzeitalter reichen sich die Hände und lassen allerhand Ungereimtheiten einfach wieder im Erdreich verschwinden, denn die Erde ist mehr, als ein Stein mit Wasser drauf. Wer sich nicht erden lassen will, wird auf dieser Erde nicht ankommen und ewig weiter Erbsen zählen. Ausgenommen davon sind, Prinzessinnen, geschützte Arten und die letzten Dinosaurier.

Kurz darauf erschien endlich Kachel Jörg, der sonst immer der Erste im Hinterhofgarten war, Hand in Hand mit Peters blondem Pflegefall. Es war bekannt, dass Kachel Jörg in schwierigen Situationen nicht zu langen Verhandlungen neigte und so war es denn auch. Ohne großartig rum zu zicken, verließ der etwas zu engagierte Nachbar die Bühne, zeigte keinen weiteren Diskussionsbedarf mehr und suchte ganz schnell das Weite. Damit war das Unterhaltungsprogramm des Sommerfestes dann beendet und die Bühne konnte abgebaut werden, was Kachel Jörg mit tatkräftiger Unterstützung der Musiker aus Dänemark, ganz schnell erledigte. Oben in der Kneipe sah es auch schon wieder ganz manierlich aus und Gaby unterhielt sämtliche Anwesenden, ob sie nun wollten oder nicht, mit einem mehrfach wiederholten Vortrag über den Zustand der Toilettenräume, wobei diese Bezeichnung etwas zu trivial war. Die Damentoilette verfügte über einen sehr großzügigen Vorraum, in dem nicht nur eine Sitzgruppe mit Sofa, sondern auch ein Schminktisch samt bunt beleuchtetem Spiegel und Schrank mit allen möglichen Schminkutensilien untergebracht war. In einem weiteren Schrank befanden sich Handtücher und Hygieneartikel und wer wollte konnte unten im Keller duschen. Die Männertoiletten befanden sich ebenfalls im Keller. Dieser Service wurde gerne, auch außerhalb des Sommerfestes genutzt aber es gab immer wieder Probleme wegen Kleptomanie und Vandalismus und anscheinend hatte irgendjemand den Trubel des Sommerfest ausgenutzt und sich den Inhalt des Schminkschrankes angeeignet. Obendrein war das Antichambre der Damentoilette ziemlich verwüstet worden und Gaby ließ ihrer Empörung freien Lauf. Mittlerweile hatten sich auch Johannes und die anderen Wandmaler wieder am Tresen der „Margarete“ eingefunden und Kachel Jörg hielt, auf Peters Parzelle, immer noch oder schon wieder, Händchen mit Peters blondem Pflegefall. Peter zog es vor sich der Gesellschaft oben am Tresen anzuschließen und seinen Zettel zu füttern, was ausnahmsweise nicht kritisiert wurde. Was noch ausstand war der Kassensturz, den Gaby und HaHe gemeinsam mit dem Vorstand, bestehend aus Andre, Buddhisten Stefan und Peter, erfolgreich bewältigten. Nachdem sie alles durchgezählt hatten stand fest, dass der Verein mit dem Sommerfest ein stattliches Plus erwirtschaftet hatte und auf Kosten des Vereins, spendierte HaHe sämtlichen Anwesenden einen Ouzo und dann noch einen und noch einen. Das geschändete Damenklo war lange vergessen, als Gaby sich die Treppe zum Keller runter schlich, um mit Hippie Stefan im Hinterhofgarten eine Tüte zu rauchen, wo sie auf Johanna, Balu und Ratz Fatz traf, die Kachel Jörg und seiner neuen Flamme Gesellschaft leisten. Das stürzte Gaby in einen schweren Konflikt, zu gerne hätte sie den Skandal sofort vermeldet, aber auf der anderen Seite stand, dass HaHe es hasste, wenn sie kiffte und sowohl Hippie Stefan, als auch Kachel Jörg sehr wohl wussten, wie gerne Gaby kiffte und Johanna, die zwar selber, im Gegensatz zu Balu, nicht kiffte, würde auch ganz bestimmt nicht die Klappe halten, wenn Gaby sie denunzieren würde.

Veränderung ist kein Ponyhof.

BRATEN ARBEIT.

Nun haben sie wieder mit so einem Mauschelteil gewonnen und auch wenn letztendlich nur der Sieg zählt, schön ist das nicht. Schön geht einfach anders, schön war das Spiel der Schweiz und das der Dänen sowieso. So kommt Fußball nicht nach hause, zumal Fußball schon in der ganzen Welt zu hause ist und wer nicht, wie ein schlecht frisierter, blonder Bullterrier, die letzten hundert Jahre verschnarcht hat weiß, dass über die Wogen nur noch der Klimawandel herrscht. Dummerweise ist der Himmel so blau wie das Meer und die Azurblauen warten schon und einzig der Sieger bekommt alles, auch wenn das total blöd ist. So torkelt Neu Rom denn fröhlich weiter dem Ungewissen entgegen, ohne Brot und Spiele geht es nicht, denn die Spiele bringen das Brot. Wer denn kein Brot backen kann, lässt Sand durch seine Finger rinnen, züchtet wehrhafte, wilde Rosen, zählt ihre Dornen und trinkt Hagebuttentee.

Am nächsten Tag war die Welt erst mal wieder in Ordnung. Die Dänen, außer Tore hatte kein Mitglied der Band die Nacht in der Wohngemeinschaft verbracht, schwebten auf Wolke Sieben, der Auftritt und die anschließende Nacht waren ein voller Erfolg gewesen, Cauca schwebte auch auf Wolke Sieben, wegen Tore, Gaby und HaHe hatten sich versöhnt, denn Johannas Eskapaden waren einfach zu spektakulär. Nach einem sehr späten Frühstück, mittlerweile waren Tores Mitstreiter wieder eingetrudelt, machten sich Gaby und HaHe, samt den Musikern aus Dänemark und Cauca, auf den Weg zur „Margarete“. Das Sommerfest sollte mit einem ruhigen Nachmittagsprogramm für Kinder ausklingen, danach musste noch aufgeräumt werden und die Dänen hatten angeboten dabei zu helfen. In der „Margarete“ war die Lage nicht so gut, oben in der Kneipe sah es noch genauso aus, wie im Morgengrauen, als die letzten Vereinsmitglieder den Laden völlig unaufgeräumt verlassen hatten, im Hinterhofgarten wuselte Buddhisten Stefan vor sich hin, Kachel Jörg war noch nicht erschienen, irgendwann nach Mitternacht, hatte man ihn in Begleitung von Peters blondem Pflegefall das letzte Mal gesehen. Gaby und HaHe übernahmen die Aufräumungsarbeiten oben in der Kneipe, Tore und seine Band halfen Buddhisten Stefan tatkräftig im Hinterhofgarten und es dauerte nicht lange, bis alle Tische und Stühle wieder dort standen, wo sie stehen sollten und keinerlei Papierservietten oder Pappteller mehr herumlagen. Nur die Bühnenelektrik bereitete Probleme, denn Buddhisten Stefan hatte keinerlei Ahnung davon, er bevorzugte Musik ohne elektrische Unterstützung. Gewöhnlicherweise kümmerte Kachel Jörg sich um diese Angelegenheiten, er kannte jeden Sicherungskasten, wusste wo sämtliche Schlüssel verwahrt wurden, wo das Wasser an und abgestellt werden konnte und welches Werkzeug wann benötigt wurde. So begann das Nachmittagsprogramm dann ohne jegliche elektrische Unterstützung, was allerdings niemanden, außer den anwesenden Vereinsmitgliedern auffiel. Kritisch wurde es erst, als der Zauberkünstler aus der Nachbarschaft, ein Kaninchen aus dem Hut gezogen hatte, das die Kinder streicheln durften, genug Goldstücke hinter den Ohren seines Publikums gefunden hatte und die Bühne verließ. Völlig überraschend enterte ein sehr linker Politaktivist, auch aus der Nachbarschaft, die Bühne und setzte dazu an, einen Text über einheimischen Mietwucher und den Kampf der Sandinista in Nicaragua zu verlesen, wobei der Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen nicht besonders nachvollziehbar war. Anscheinend hatte er sich darauf verlassen, sein revolutionäres Pamphlet elektrisch verstärkt vorzutragen, was leider so nicht möglich war. Der Nachbar nahm die fehlende elektrische Verstärkung sehr persönlich und wurde ziemlich ausfallend. Er legte sich nicht nur mit Buddhisten Stefan, sondern auch mit ein paar Müttern an, die ihm irgendwann unmissverständlich zu verstehen gaben, besser das Feld zu räumen.

Elf Meter reichen nicht aus.

PHRASEN VERSCHIEBUNG.

Was man auf die lange Bank schieben kann, damit macht man besser kurzen Prozess und kleine, kühne Männchen sind nicht immer gut beraten. So dreht sich der Planet um die Sonne und die Sonne bleibt im System, aber das System hat Probleme. Ungeschoren bleiben sowieso nur weltfremde Schlafmützen und junge Hunde. Wo der Hund sich keinen Bart wachsen lässt, wachsen krause Gedanken und gepfefferte Antworten lassen nicht auf sich warten. In der Warteschleife werden Blumen verteilt und wer noch nicht in die Luft gegangen ist, muss weiter Däumchen drehen, aber auf der kosmischen Drehscheibe werden Welten in den Schlaf gesungen und wer wirklich zuhört, findet einen Ausweg. Außen vor bleiben kalte Hundeschnautzen und Erklärbären, denn wer den Kuchen nochmal neu verteilen will, braucht gute Nerven. So kommt der Bär zum Bienenstock und die Blume zum Schmetterling.

Nicht ganz so begeistert wie ihr Hund, reagierte Johanna auf Balu, der keine Rücksicht auf Verluste nahm und sie etwas zu zärtlich begrüßte. Auch wenn Johannes oben am Tresen, mit dem Werbefürsten und HaHe beschäftigt war, so war ihr doch klar, das keine halbe Stunde vergehen würde, bis irgendjemand Johannes gesteckt hatte, dass sie soeben, von einem recht abenteuerlichen Punker mit Hunden, ziemlich leidenschaftlich geküsst worden war. So blieb nur die Flucht nach vorn, oder durch den Torweg, hinaus auf die Straße und ganz schnell weg. Johanna wählte den Torweg und verschwand mir Balu, Ratz Fatz und zwei weiteren Hunden in der Sommernacht. Gaby, die nicht nur selbstgemachte, sondern Beziehungsdramen im allgemeinen liebte, fühlte sich um den Höhepunkt betrogen, vergaß blitzschnell ihre Differenzen mit HaHe, pilgerte die Treppe durch den Keller hoch zum Tresen und tischte die ganze Geschichte brühwarm auf. Womit Gaby nicht gerechnet hatte, war die Reaktion des Werbefürsten, der Johannes eindringlich davon abriet, sich auch nur im geringsten aufzuregen. Bevor Gaby weiter Öl ins Feuer gießen konnte, lief auch Schneewittchen, ihr ihrer ganzen, morbiden Schönheit oben am Tresen auf, entzückte HaHe, der ja eigentlich gar nicht auf solche Frauen stand und lenkte das Tresengespräch in eine völlig andere Richtung. Der Werbefürst gab noch eine Runde hochprozentiges für alle aus und Gaby zog es vor, sich um die Band zu kümmern und verschwand im Hinterhofgarten. Obwohl es mittlerweile schon dunkel geworden war, spielten die Dänen immer noch und die Anwohner des Hinterhofgarten blieben erstaunlich tolerant. Bei Peter hatten sich dem Nachbarn mit dem großen Hund, noch ein paar gestandene Säufer aus den anliegenden Häusern hinzu gesellt, die wenigen Balkone zum Hinterhofgarten waren gut besetzt und etliche Fenster weit geöffnet. Mit „If You Going To San Franzisco“, beendeten die Dänen ihren Auftritt kurz vor Mitternacht. Dann feierten sie richtig und HaHe blieb oben am Tresen ziemlich allein, denn Cauca kümmerte sich nur noch um Tore und auch Tores Mitstreiter hatten schon lange Anschluss gefunden. Gaby pilgerte die Treppe durch den Keller wieder hoch zum Tresen und ohne großartig zu fragen, half sie HaHe ganz einfach, der das gerne annahm. Als der Fürst und sein Schneewittchen sich auf den Heimweg machten, hatten die Wandmaler sich schon am Tresen versammelt und leisteten Johannes Beistand. Fritz und Hannah und auch Söhnke, schätzten Johannes sehr und wünschten sich, dass er wieder ganz entspannt mit ihnen zusammen arbeiten würde. Johannes wünschte sich das auch, aber er liebte Johanna und wusste ganz genau, dass es mit ihr und seiner Wandmalergruppe nicht wirklich gut gehen würde. Fritz konnte Johanna nicht leiden, Hannah würde Fritz immer folgen, Söhnke war das alles egal, aber er fand Fritz ganz bestimmt besser als Johanna und damit war schon das meiste entschieden und Johannes entschloss sich dazu, einfach mit HaHe weiter zu saufen.

Mittlere Werte sind wie magere Jahre.

BLONDER ZUG.

Die letzten Tage faszinierte mich eine sechsteilige Serie mit dem Titel „Beforeigners“. „HBO“, süchtig nach wirklich neuen Stoffen, ging nach Norwegen, kooperierte mit einer Firma Namens Rubicon und schuf etwas Neues. Mit dem Rubicon ist das ja so eine Sache, eine Einbahnstraße, die man eigentlich nicht wählen möchte. Wir wählen einen eleganten Ausweg und verlegen Zeitreisen in das unendliche Reich der Genetik. Ich bin so alt wie das All Es und das All Es ist in meinen Genen und so reist die Zeit durch die Ewigkeit. Wer nun immer noch ein Bauernopfer bringen will, bleibt hinter den Spielregeln zurück und setzt eine Runde aus. Zeitfresser kauern in den dunklen Schatten still gelegter Tanzpaläste und Tanzmäuse suchen sich einen Wanderzirkus. Blaue Wanderer wollen wir trotzdem nicht haben und wer Blau machen will, muss zu hause bleiben.

Auf Peters Parzelle wurde es langsam eng, denn außer Peter, Peters blondem Pflegefall, die junge Frau sorgte für einen beständigen Nachschub an Bier, das sie oben am Tresen der „Margarete“, auf Peters Zettel organisierte, dem Nachbarn mit dem großen Hund, Johanna und Ratz Fatz, war Gaby mittlerweile auch wieder eingetrudelt. Der Buschfunk hatte sie zuverlässlich über den Auftritt der Dänen informiert und das wollte sie sich nicht entgehen lassen, denn sie fand die Band ganz toll, erst recht weil HaHe anfänglich so septisch gewesen war und sowieso mehr das handwerkliche Können der Musiker gelten ließ, als ihre Musikrichtung. Sie hatte auch nicht vor, sich auf Peters Parzelle zu beschränken, sondern steuerte nach Tores Ansage, sofort auf die Jungs zu und erfuhr als erstes, dass Cauca für sie am Tresen einspringen würde. Gaby, die aus ihrem Herzen selten eine Mördergrube machte, riss sich zusammen, obwohl sie Cauca in diesem Moment innerlich verfluchte und quatschte weiter angeregt mit den Jungs. Sie wies Kachel Jörg und Söhnke von den Wandmalern an, den Musikern beim Aufbau ihres Equipment zu helfen, erfragte ihre Getränkewünsche und schickte Peters blonden Pflegefall hoch zu Tresen, um das Gewünschte zu besorgen, denn auf eine Konfrontation mit HaHe wollte sie es nun doch nicht ankommen lassen. Als ziemlich aktives Mitglied des Vereins, konnte Gaby sich das erlauben und weder Kachel Jörg noch Söhnke waren so blöd, ihr zu widersprechen, denn Gaby war nicht nur sehr streitbar, sie war auch berüchtigt dafür, grundsätzlich nie aufzugeben. Als die Band dann loslegte war es im Hinterhofgarten richtig voll geworden, sogar der Werbefürst aus der Glashüttenstraße gab sich die Ehre und war mit seinem Schneewittchen erschienen. Die alten Hippielieder kamen gut an, ein Teil des Publikums, überwiegend weiblich, fing an zu tanzen, allen voraus Gaby und Johanna und es gab sogar Applaus aus einigen Fenstern der Nachbarschaft. Johannes und der Werbefürst verzogen sich nach oben, an den Tresen der „Margarete“, wo HaHe schon Kachel Jörg, Fritz und Söhnke mit Getränken versorgte, Buddhisten Stefan und Cauca tanzten unten im Hinterhofgarten mit. HaHe und der Werbefürst erkannten sich, mit ihrem ausgeprägten Zynismus und nicht minder ausgeprägten Faible für neurotische Frauen, sofort als Seelenverwandte und stiegen auf hochprozentige Getränke um. Im Hinterhofgarten stieg die Stimmung immer noch, am Fenster zur Treppe wurden unablässig Getränke bestellt, aber die Musiker brauchten eine Pause. Das es nach der Pause ohne Konflikte mit den Anwohnern nicht weiter gehen würde, war allen Beteiligten klar und um größere Diskussionen zu vermeiden, stellte HaHe einfach den Strom im Hinterhofgarten ab. Den Dänen war das erst mal egal, von Gaby und Cauca liebevoll betreut, genossen sie die entspannte Atmosphäre des Sommerfest und traten nach einer angemessenen Pause, ganz einfach ohne elektrische Verstärkung wieder auf. Samtweich fiel golden weichgezeichnetes Licht aus den Fenstern zum Hinterhofgarten, die Nachbarn schwiegen und die Party ging weiter. Johanna, Gaby und Schneewittchen tanzten verzückt vor der kleinen Bühne und Ratz Fatz hatte sich, animiert von ein paar neu aufgetauchten Hunden, wieder selbstständig gemacht. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Kachel Jörg, wie Aphrodites eifersüchtiger und hinkender Schmied, wieder im Hinterhofgarten auftauchen würde und dem fröhlichen Spuk ein Ende bereiten. Als die Hunde anfingen zu bellen, erschien nicht Kachel Jörg, sondern Balu im Hinterhofgarten.

Wer mit den Zähnen klappern will, sollte seine Finger still halten.