STUSS
     MUND

aktuell: Mittsommer
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2021
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18.10.21 15.10.21 12.10.21 09.10.21 06.10.21 03.10.21
NOT GRÜN.

Die Geschichte wiederholt sich, denn der Fehler liegt im System. Gute Laune kommt nicht von guten Menschen, aber gute Ideen sterben nicht aus. Sowieso ist es wahrscheinlich besser zu sterben, bevor alles den Bach abgeht, als die ganze Scheiße mitzuerleben. Trotzdem bleiben Mitschnitte nicht unbedingt das Mittel der Wahl und wer wirklich nicht mit machen will, sucht das Weite oder ein neues Interessengebiet, denn im Weinberg des Herrn tummeln sich viele Ideen. Das Grün wählen die Welt wirklich grüner macht, muss noch bewiesen werden, grüne Zonen sprechen dagegen und kleine, grüne Männchen garantieren für nichts. Wer nun immer noch grün hinter den Ohren ist, wird in eine grüne Minna verfrachtet und auf dem grünen Rasen ausgesetzt. So bleibt das grüne Leuchten bodenständig und erlischt nicht. Wenig zu befürworten sind grüngelbe Phantasien, denn auf die Dauer wird das Gelbe sich durchsetzten und das Grüne wird untergehen.

Zwanzig Jahre später probte ich mit zwei meiner besten Freunde, die mich auf dem Klavier begleiteten, ein paar meiner extravagantesten Texte. „Ge Linde“, „Zasi“ und „Die Fee Mahrn“. Stefan hatte mir einen großen Gefallen getan, als er mich nach einem Auftritt in „Galerie III“, auf der Schlossinsel Barmstedt ansprach und meinte, dass ich meine Texte ja durchaus nach musikalischen Kriterien komponiert hätte. Es war das erste Mal seit meiner Kindheit, als ich wegen permanenten falsch Singen, vom Musikunterricht ausgeschlossen worden war, dass mir zugestanden wurde, Verständnis für Musik zu haben. Wörter von ihrem Klang zu trennen, ist wie Essen von seinem Geschmack zu trennen und Hören ist sowieso total individuell. Ich fiel auf die Töne des Klaviers, ritt mit ihnen hinaus in den unendlichen Traum und die Töne des allmächtigen Klaviers trugen meine Wörter weit in Raum hinaus, sie bändigten meine ausufernden Interpretationen und verstärkten sie zugleich, so verliebte ich mich in das Klavier. Im besten aller Fälle ist Musik magisch und wo sie sich mit den Wörtern vereint, feiert die Magie Hochzeit. Kleine Kinder werden mit Wiegenliedern in den Schlaf gesungen, am Felsen der Lorelei werden gestandene Mannsbilder, mit dem Gesang einer schönen, jungen Frau, die ihre blonden Locken kämmt, in den Abgrund gerissen und Odysseus ließ erst die Ohren seiner Mannschaft versiegeln und dann sich selbst am Mast seines Schiffes anketten, damit weder er selbst, noch seine Mannschaft, dem betörenden Gesang der Sirenen erliegen würden. So ist es denn die Aufgabe des Schamanen oder der Schamanin, Töne in Wörter, Bilder und Lösungen zu transformieren, die, die Welt erklären, aber die Welt fragt nicht nach Erklärungen, weil die Welt einfach so ist.

Insekten wollen fliegen und nicht gestreichelt werden.

SPLEEN WASHING.

So wird Olaf Scholz denn Gerhard Schröder beerben und wieder die sowieso schon Einkommensschwachen bluten lassen, weil es im Interesse der wohlhabenden Stände, auch Gesellschaft genannt, sein muss. Diesmal heißt es nicht Harz4, sondern Klima und Energiepreise und ist genauso kontrapunktiv. Macht flankierend wird der Herrenreiter von der angeblich liberalen Partei seiner Klientel neue, lukrative Verdienstmöglichkeiten zuschanzen, denn das Gesundheitssystem und den öffentlichen Nahverkehr, haben sie ja schon ruiniert. Privatisieren ist ein Synonym für ruinieren. Nun also der Verkauf von Drogen, an dem ihre viel zu wohlhabende Klientel sich sowieso schon eine goldene Nase verdient hat und nun ganz legal weiter verdienen will. Selbstverständlich sollte diese fiese Klientelpartei, im Interesse einer funktionierenden Gesellschaft, ersatzlos gestrichen werden, aber Strichmännchen und Strichweibchen, kommen nur schwer über den Berg.

Zurück am Tisch, stellte ich fest, dass unsere Gesellschaft gewachsen war. Er sah aus wie Jesus, direkt dem Gemälde an der Wand entstiegen und der Filmversion eines blonden Wikingerfürsten und ganz offensichtlich kannten Bente und der Wikingerjesus sich ziemlich gut. Die Pizzen ließen ein wenig auf sich warten, animiert vom Wikingerjesus stießen wir eins ums andere Mal an und der teure Wein ging ganz schnell zur Neige, aber der Wikingerjesus bestellte sofort Nachschub und himmelte Bente unübersehbar an. Bente kam nicht total überzeugt rüber, aber der Hund lag zu Füßen ihres blonden Verehrers. Die Ankunft der Pizzen enthob uns erst mal jeglicher weiterer Spekulationen, über die Bande zwischen Bente und dem jungen Mann. Wider Erwarten war die Pizza wirklich gut, in den Dänemarkurlauben meiner Kindheit, war ich mit völlig unakzeptablen Speisen konfrontiert worden, die ohne weiteres komplett zahnlos verzehrt werden konnten, aber der Pizzaboden war kross und hatte Biss. Ein kurzer Moment der Stille, dann waren unsere Teller auch schon fast leer und der Wikingerjesus orderte noch mehr Wein. Angesichts der exorbitanten Alkoholpreise fragte ich mich, wer das alles bezahlen sollte, nur die unübersehbare Entspanntheit unserer dänischen Freunde beruhigte mich und dann wurde es Zeit zu Rauchen. Der Wikingerfürst stand auf, machte sich an den Kordeln zu schaffen, die, die prächtigen Dekorationsvorhänge zwischen unserem Esszimmer und dem angrenzenden zusammen rafften, dann fiel der Vorhang, wir saßen in einem Separee und Bente fing an Tüten zu bauen. Bente ließ sich Zeit und als zwei perfekte Tüten fertig waren, reichte sie die erste Tüte nach links und die zweite nach rechts. Goldener Sternenstaub flirrte im Raum, Elfen küssten grüne Zwerge, der Vorhang zum Universum außerhalb unseres Kokons öffnete sich und der Nachtisch schwebte ein. Zitronencreme mit kleinen, leckeren Beeren und wieder herrschte konzentriertes Schweigen am Tisch. Cauca und Stefan verabschiedeten sich von der allgemeinen Konversation und sahen einander tief in die Augen, Gaby nahm HaHe, der schon wieder furchtbar schwitze an die Hand und die beiden klinkten sich ebenfalls aus. Ich sah meine Chance gekommen und fragte Jens nach seinen Reisen in benachbarte Welten, nach dem unsichtbaren Volk. Wie begegnet man den Manifestationen anderer Welten in dieser Welt, wie kann man auf Tönen reiten und warum sind Elfen und Dämonen für die meisten Menschen unsichtbar.

Am Arsch muss nicht für den Arsch sein.

POLEN SÄURE.

Am Ende hängt es ja doch nur immer am Geld, egal ob es um die exzentrischen Meinungen religiöser Fanatiker aus Polen geht, oder um radikale Umweltschützer, denn Geld regiert die Welt. Weltenbummler suchen nach innovativen Lösungen und begreifen dabei nicht, dass sie ein signifikanter Bestandteil des Problems sind und das Small wirklich beautifull ist, will eigentlich niemand wissen, egal welchem Geschlechts. Trotzdem sind stille Teilhaber besser als lautstarke Anteilseigner, die grundsätzlich das größte Stück vom Kuchen fordern. Das schönste an der schönen Gerechtigkeit ist ja sowieso, dass man sie in ferne Gefilde verlagern kann und sich dabei richtig gut fühlt. Solche richtig unangenehmen Dinge, müssen einfach draußen bleiben, wo sie niemanden weh tun und auch das Gleichgewicht der schönen, neuen Welt nicht stören. Wirklich stören tun nur die Anderen, aber ohne die Anderen geht es nicht und wer anders leben will, braucht die Anderen.

In Tversted war es ziemlich dunkel und so sehr wir uns auch bemühten, eine Ortschaft zu erkennen, fuhren wir nur an ein paar einsam über die Landschaft verstreuten Anwesen vorbei. Die Pizzeria befand sich in einem langgestreckten Flachbau mit Wellblechdach, machte einen wenig Vertrauen erweckenden Eindruck und war glücklicherweise geschlossen. In dem Schuppen wurden nur zur Sommerzeit Pizzen und andere italienische Spezialitäten hergestellt, um an anspruchslose Touristen weiter gegeben zu werden. HaHe plädierte dafür, sofort in das alte Haus zurück zu kehren und dort zu kochen, denn wie schon sein Vater und der hatte seine Mutter immer wieder damit genervt, gab er äußerst ungern Geld für die angenehmen Dinge des Lebens aus, aber mit seiner puritanischen Einstellung stand er auf verlorenem Posten. Zwischen unseren dänischen Freunden entbrannte eine Diskussion darüber, welche Ortschaft sinnvollerweise als nächstes anzusteuern sei, um halbwegs anständig italienisch Essen zu gehen. Hirtshals oder Frederikshaven, beides Fährhafen, in denen die Pizzerien ein bisschen länger geöffnet hatten. Von Hirtshals starteten die Fähren nach Kristiansand in Norwegen und es war nicht besonders weit nach Hirtshals, aber zwischen Frederikshaven und Göteborg lief der Fährverkehr zwischen Dänemark und Schweden. Obwohl es doppelt soweit war, fiel die Wahl unserer dänischen Freunde auf Frederikshaven. Die Pizzeria lag direkt an Hafen, war ganz und gar wundervoll rotlichtig und plüschig ausgestattet und wärmte uns sofort auf. Bevor wir uns überhaupt orientieren konnten, begrüßte der Chef des Establishments Jens und Tore wie sehr alte Freunde. Er lotste uns durch die verschachtelten Räumlichkeiten seines Lokals, bis zu einem Tisch, der lang genug für uns alle war und hinter dem ein recht ambivalentes Gemälde des letzten Abendmahls hing. Jesus sah traumhaft schön aus und seine langhaarige, mit weichen Zügen ausgestattete Gefolgschaft, war geschlechtlich nur sehr schwer einzuordnen. Die Speisekarte war biblisch dick und von den bunt gestrichenen Wänden lächelten uns die Porträtbilder etlicher Hollywoodgrößen zu. Wir bestellten unsere Pizzen und dann machte ich mich unter goldenem Stuck, durch dunkelblaue, dunkelgrüne und weinrote Räumlichkeiten auf zur Toilette. Greta Garbo, Marlene Dietrich, Sophia Loren, Burt Lancaster, Marlon Brando, Marylin Monroe, Audrey Hepburn, John Wayne, Gary Cooper, Gary Grant, Mario Adorf und etliche längst vergessene Filmschönheiten und Filmschurken lächelten mir zu.

Der Berg rennt nicht weg.

CIS NELKE.

An Ende wird der neue Alberich sich der Notwendigkeit beugen und alles was wirklich sozial ist in die Tonne treten, wie immer, wenn seine Partei das Sagen hat. Prinzipientreue wird nicht belohnt, aber wer sein Mäntelchen in den Wind hält, kommt schnell voran. Macht ist der stärkste Antrieb und wer die Macht hat, kann sie auch ganz schnell wieder verlieren. So tanzen die Roten und die Grünen denn um das goldene Kalb und vergessen, dass sie nicht die einzige Alternative sind. Wenn das Kind nicht lernt im Brunnen zu schwimmen, wird es immer wieder fallen und Fallstudien fallen auch nicht vom Himmel. So kann man schön tun, schöne Augen haben und schöne Geschichten erzählen, aber wer wirklich schön sein will, geht in einen Schönheitssalon und lässt sich schön machen. Schöner wird es davon aber nicht, nur teurer und das nennt sich dann schöner Wohnen, denn Schönheit liegt keinesfalls im Auge des Betrachters oder der Betrachterin, sondern allein im Geldbeutel.

Am nächtlichen Himmel herrschte Auffuhr. Eine Armada von Wolkenschiffen segelte, mal pfeilschnell und dann wieder langsamer, über den Himmelsozean und in den Lücken zwischen den Schiffen blitzen Sterne auf, Grüße aus der Unendlichkeit. Wild schwankend warf das Licht eines etwas angenagten Mondes, immer wieder Spottlichter auf undurchdringliche Nebelschwaden, die aus dem Schatten der Bäume kriechenden Nebelzungen, hatten sich tanzend ineinander verschlugen und zu einem mächtigen Gebilde vereint, in dessen Inneren es tobte, wie in einem alchemistischen Labor, denn der Nebel ist eine Gebärmutter, aus der Dämonen und Elfen geboren werden. Der Nebel lebte und in den Spottlichtkegeln des Mondlicht, stiegen zarte Nebelfahnen auf und küssten die feuchte Nacht. Körperlos trieben die Köpfe einer Rotwildgruppe über den Nebelsee, mir fröstelte, aber der gute Geist eines roten Katers sprang in die Hollywoodschaukel und trampelte laut schnurrend auf meiner nach Fett und Zimt duftenden Lammfelljacke herum. Das Katzen Geister sehen können, darüber besteht in den meisten Mythologien unseres Heimatplaneten Konsens und wer mit Geistern zu tun hat, sollte eine Katze an seiner Seite haben, um besser zu sehen. Nebel, zu einer luftigeren Gestalt transformiertes Wasser, in dem Reisende nicht ertrinken müssen. Spiralig stieg mir der Nebel zu Kopf und ich landete im Andromedanebel, wie im All so auch auf Erden. Als der Nebel immer durchsichtiger wurde und das Zwielicht die Oberhand gewann, flog ich mit einem roten Kater zurück in mein Bett unterm sicheren Dach des alten Haus. Strahlend blau präsentierte sich der letzte Tag unseres völlig unverhofften, psychedelischen Abenteuers in Dänemark. Siegestrunken hatte die Wintersonne, selbst die letzten Nebelreste verschluckt und nach einem halbwegs harmonischen Frühstück beschlossen wir, nochmal alle zusammen einen Ausflug zum nördlichsten Strand Dänemarks zu machen. Bente und Smilla und ihr Hund, Tore und seine Band, Jens, Jonas, der vom Nachbarhof rüber gekommen war, Gaby und HaHe, Cauca und Stefan und ich. Genauso mittelmeerisch, wie schon am Tag unserer Anreise, lag der breite Sandstrand vor uns und die kleinen, bunt gestrichen Fischerboote verstärkten den Eindruck. Glücklich tobte der Hund über den Strand und verschwand außer Sichtweite. Die Dünen waren imposant, Strandhafer bestanden und immer wieder von Weltkriegsbunkern durchsetzt. Wir ließen uns auf einem dieser apokalyptischen, mittlerweile von Moos überwucherten Bauwerke nieder und schickten mehr oder minder spiralige Rauchfahnen zum Himmel hoch. Die Sonne ging unter, es wurde ganz schnell feucht und kalt und Tore schlug eine Pizzeria in Tversted vor.

Zum Baden braucht man keine Mütze.

SCHÄNDER GERECHTIGKEIT.

Willkommen im Reich des virtuellen Wahnsinn, wer mit wenn und was wird geschehen. Wir wandeln auf einem schmalen Grad zwischen Himmel und Erde und der Hund bellt. Wo Wahrnehmungen ganz Vorurteilslos fusionieren, schlagen Farben einander nicht, aber ob man mit Farben wirklich spielen kann, bleibt abzuwarten und wer Farbe bekennt hat selber Schuld, denn graue Eminenzen beherrschen das Spiel. Brot für die Welt heißt noch lange nicht Brillen für die Welt, aber wo es Brot gibt, gibt es meistens auch Brillen. So kommt die Schlange zur Brille und soziale Netzwerke zum Fehler im System. Was wurde da eigentlich umkonfiguriert? Das was die Insiderin beanstandet hatte und warum stellt niemand den Zusammenhang her. Mit Wind in den Haaren geht sowieso alles leichter und wer keine Sonne im Herzen hat, hat auch keinen Wind in den Haaren. Ob der Weg das Ziel ist, oder zum Ziel führt, bleibt offen, denn Ziele kann man haben, aber ob man sie erreicht bleibt abzuwarten.

Oben in meinem Bett unterm Dachstuhl, schwebte ich wieder durch die neblige Nacht. Wie die Hagazussa auf ihrem Zaun zwei benachbarte Welten sehen konnte, so konnte auch Jens in andere Welten sehen. Was einst ein angesehener Berufsstand war, Schamane, Hexe, Wahrsager oder Wahrsagerin, mutierte irgendwann zu einer Manifestation des Wahnsinns. So wurden die Hellsichtigen denn weggesperrt und die Verwerter der Welt übernahmen das Ruder. Es war noch nicht lange her, dass ich Hans Peter Duerrs Buch „Traumzeit. Über die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation“ gelesen hatte. Der wahre Charme des Buches entfaltet sich in den Anmerkungen und Fußnoten, die ungefähr zweidrittel des Werkes ausmachen. Meine Seminarleiterin, die mir das Buch empfohlen hatte, gab mir auch gleich den Tipp, erst das Buch zu lesen und dann die Anmerkungen. Bevor die christliche Inquisition, eine verheerende Schneise der Vernichtung des Menschheitswissens, von der Steinzeit bis zum europäischen Frühmittelalter schlug, lebten die Europäer zwar nicht im Paradies und aber immer noch halbwegs Umweltverträglich. Dann wurde durchgestartet, Empathie für alle anderen Lebensformen und selbst für die, der eigenen Spezies, wurde gnadenlos dem Prinzip der Gewinnoptimierung untergeordnet. So kommt man zu was. Schlafen konnte ich nicht mehr. Aus den Fußnoten stiegen wilde Geister zum Himmel und verlangten nach Freiheit. Mit meiner dicksten Jacke, die immer noch ein bisschen fettig war, nach Schaf und Zimt roch und angeblich aus Afghanistan kam, ein Einzelstück, dass ich bei Oktopus erstanden hatte, eingehüllt in meinen Schlafsack, machte ich mich auf zur Hollywoodschaukel. Die Jacke war so warm und dick, dass ich sogar darauf schlafen konnte und sie roch zehn Jahre später nach Schaf und Zimt. Ein Tag blieb mir noch, dann würden wir wieder zurück kehren, ins Reich der ganz und gar langweiligen Rationalität.

Wer das Haar in der Suppe findet, hat es nicht besser verdient.

RAUSCH ROBOTER.

Nachdem die Allparteien Regierung nun noch immer nicht das Ruder ergriffen hat, erlaube ich mir in phantastischere Dimensionen abzuheben. Was soll der ganze Unfug eigentlich, diese gigantische Verschwendung von Steuergeldern? Die Antwort weiß wie immer, noch nicht mal der Wind. Wind in den Haaren sollte trotzdem nicht unterschätzt werden, denn ohne Wind in den Haaren geht es nicht. Unsere Dummheit müssen wir sowieso ausbaden, aber wer dumm geboren wird, muss nicht dumm sterben. Wer allerdings nicht fragt, bleibt dumm oder lässt fünf gerade sein, denn der Fehler liegt nicht nur im System. Sternenjäger halten ganz kurz in und zählen rückwärts, bis die Harmonie wieder hergestellt ist. Der Wind singt, er sät nicht, er erntet nicht, er wartet auf ein System, das ihn an die Hand nimmt und zum Licht führt. So lauern windige Ideen denn im Windschatten der Innovation auf ihren Vorteil, der manchmal nur Bruchteile von Sekunden umfasst.

Die psychedelische Silvesternacht hinterließ einen bleibenden Eindruck. Ich wäre gerne noch eine Woche länger in dem alten, fast schon verwunschenem Haus geblieben, im Nebel spazieren gegangen und hätte zusammen mit einem roten Kater, auf den etwas muffigen Polstern der Hollywoodschaukel am Ende des Grundstücks, auf den Einbruch der Dämmerung gewartet. Tore und seine Band, die sowieso noch länger bleiben würden, hatten nichts dagegen, aber HaHe, dem die ganze Situation überhaupt nicht gefiel, bestand darauf spätestens am dritten Januar nach Hamburg zurück zu kehren, Gaby hatte keine Lust auf Streit, Cauca und Stefan war es egal und auch Bente und Smilla wurden in Christiania erwartet. Draußen in der Hollywoodschaukel hing immer noch der Zauber der vergangenen Nacht und ein roter Kater ruhte sich aus. Ich blieb bis zum Einbruch der Dunkelheit und als ich wieder ins Haus kam, stand in der Küche schon ein Gebirge von Falafel Bällchen, flankiert von hoch vollen Salatschüsseln und Joghurtdips auf dem Tisch und ich fragte mich, ob zum Inventar des Hauses wohl möglich auch fleißige Heinzelmännchen gehörten. Bevor ich diesem Gedankengang länger verfolgen konnte, erschien HaHe in der Küche und moserte mich an, weil ich nicht bei der Küchenarbeit geholfen hatte. Die Falafel Bällchen waren allerdings nicht sein Werk, sondern Smillas Küchenkünsten, die ein Cafe in Christiania betrieb und dort selbst in der Küche stand, zu verdanken. Nach dem Essen verzogen Gaby und HaHe sich glücklicherweise schnell ins Bett und ich räumte mit Cauca und Stefan den Tisch ab und in der Küche auf, um die Heinzelmännchen zu entlasten. Im Wohnzimmer klimperte Tore auf seiner Gitarre, Bente saß mit Jens am Kamin und ich hatte sehr viele Fragen, für die mir Jens als die angemessene Anlaufstelle erschien. Als „Master of the Mushrooms“ und Dompteur eines garstigen, grünen Gnoms aus einer benachbarten Dimension, vermutete ich das meiste Wissen über das magische Pilzuniversum bei ihm. Woher kam der magische Glanz, den die Pilze über die Welt warfen, was ist mit Katzen und Pilzen, können Katzen auf Pilz sein oder sehen sie das Pilzuniversum sowieso? Wir waren uns völlig einig darüber, dass das Pilzuniversum sehr glänzend und wunderschön ist, aber Jens bestand darauf, dass es keine Garantie auf eine Rückfahrkarte gibt. Darüber konnte ich nur lachen, warum braucht das Paradies eine Rückfahrkarte, aber Jens diskutierte unerbittlich weiter und machte mich darauf aufmerksam, das die fehlende Rückfahrkarte das Einfallstor elementarer Ängste ist. Auf Angst hatte ich gar keine Lust, ich wollte den Zauber der Welt einfangen, mit Pilzgeistern durch neblige Ozeane reisen und lachen. So gnadenlos logisch wie Jens in seiner Argumentation war, ließ Bente ihre Tüten kreisen und lenkte Jens und mich vom Weg des Frage Antwort Spiel ab.

Werte kann man nicht kaufen.